Ab dem 01. November 2026 startet an hessischen Grundschulen der neue „Hessische Bewegungscheck“ (HBC). Der Check richtet sich an Zweitklässlerinnen und Zweitklässler an teilnehmenden Schulen anhand von acht Aufgaben nach dem Deutschen Motorik Test (DMT). Gemeinsames Ziel der Hessischen Landesregierung, des Landessportbunds und der Sportjugend Hessen ist es, einen landesweiten und verlässlichen Überblick zur motorischen Fitness von Kindern in der Jahrgangsstufe 2 zu gewinnen. Außerdem sollen sportlich besonders talentierte Mädchen und Jungen z.B. mit Talenttagen zusätzlich gefördert werden. Kinder mit motorischem Förderbedarf können z.B. im Rahmen des Ganztagsangebots an kostenlosen Bewegungsangeboten von Sportvereinen teilnehmen.
„LÖWEN, LOS!“
Unter dem Motto „LÖWEN, LOS!“ gaben die Hessische Sportministerin Diana Stolz, Bildungsminister Armin Schwarz sowie der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Hessen (LSBH), Andreas Klages, heute an der Hofheimer Wilhelm Busch Schule den Startschuss für den neuen landesweiten Hessischen Bewegungscheck. Sportministerin Diana Stolz erklärte: „Wir Deutsche werden immer älter, aber leider auch immer schwerer und unbewegter. Ein Teufelskreis, der einem langen gesunden Leben entgegensteht. Der neue HBC setzt bereits bei den Zweitklässlern an, weil in der Kindheit das Fundament für ein aktives, gesundes Leben gelegt wird. Wir wollen Lust an Bewegung wecken, aber zugleich auch eine Botschaft an die Kinder und ihre Eltern senden: ‚Bitte bewegt Euch mehr‘. Beide Generationen wollen wir gezielt, aber ohne erhobenen Zeigefinger und mit Spaß an Bewegung ansprechen. Außerdem möchten wir Jungs und Mädchen, die großen Nachholbedarf haben, in landesweit jährlich gut 100 kostenlosen Kursen für mehr Bewegung motivieren. Motorisch besonders fitten Kindern und ihren Eltern werden wir an Talenttagen das Angebot machen, die regional erreichbaren Sportarten auszuprobieren und die dazu passenden Vereine kennenzulernen. Bewegung macht Spaß und hier gibt es Pfoten statt Noten.“
Mit dem landesweiten Bewegungscheck setzt die Landesregierung ein weiteres Ziel aus ihrem Regierungsprogramm für die laufende Legislaturperiode um.
Sport und Bewegung gehören zu Bildungsauftrag dazu
Bildungsminister Armin Schwarz betonte: „Laufen, springen und balancieren sind Grundfertigkeiten, die uns von Kindesbeinen an begleiten sollten. Ob im Kindergarten, der Grundschule oder dem Verein: Sport und Bewegung gehören zu einem umfassenden Bildungsauftrag untrennbar dazu. Ich bin den Grundschulen sehr dankbar, wenn sie den Hessischen Bewegungscheck einführen. Wir setzen hier bewusst auf Freiwilligkeit, weil alle Partner von den Vorteilen des Programms überzeugt sind. Das Testverfahren lässt sich in verschiedenen, erprobten Umsetzungsmodellen durchführen. Die Ergebnisse des HBC sollen dazu beitragen, das Sport- und Bewegungsangebot nach den Bedürfnissen vor Ort an der Schule auch anzupassen. Und nicht zuletzt eröffnet der Ganztag eine Fülle von zusätzlichen Möglichkeiten, dass Sport und Schule noch enger zusammenrücken. Ich freue mich, dass es jetzt bald losgeht!“
Auch die Präsidentin des LSBH, Juliane Kuhlmann, und die Sportjugend-Vorsitzende Malin Hoster sind vom neuen Konzept überzeugt: „Der Bewegungscheck ist weit mehr als ein fundiertes, etabliertes Testverfahren. Denn hier stehen wirklich die Kinder im Mittelpunkt! Es geht darum, ihnen gute Startchancen für ein aktives Leben zu geben, ihre Gesundheit und motorische Entwicklung zu fördern, Teilhabe zu stärken. Das funktioniert nur, wenn Politik, Schulen und Sport gemeinsam an einem Strang ziehen. Hier setzt der Bewegungscheck mehr als ein Signal – weil er Teil eines Gesamtkonzeptes ist. Wir wollen nicht nur Ergebnisse erfassen und einordnen, sondern unmittelbar ins Handeln kommen”, sagt Kuhlmann. „Die Sportjugend Hessen hat deshalb ein spezielles Programm zur Bewegungsförderung entwickelt, um Mädchen und Jungen mit motorischem Förderbedarf an ihrer Schule ein passendes Angebot machen zu können. Eine wichtige Koordinierungsfunktion nehmen dabei unsere Sportkreise ein: Sie vermitteln zwischen Grundschule und Sportvereinen der Region, um die passenden Übungsleiterinnen und -leiter für diese wichtige Aufgabe zu finden. Dass der Test gleichzeitig motorisch besonders begabte Kinder mitdenkt, ist ein weiterer Pluspunkt. Ich bin überzeugt: So können alle Spaß an der Bewegung finden und über sich hinauswachsen", konkretisiert Malin Hoster.
So funktioniert der neue Hessische Bewegungscheck
Der nun landesweit startende Bewegungscheck nach dem Deutschen Motorik Test (DMT) löst ein in 2019 in Hessen erstmals pilotiertes Verfahren, das von der Frankfurter Goethe Universität wissenschaftlich betreut und von zuletzt acht hessischen Sportkreisen durchgeführt wurde, ab. Beim neuen Hessischen Bewegungscheck wird in acht standardisierten Übungen die motorische Fitness von Kindern überprüft:
- 20m-Sprint
- Balancieren rückwärts
- Seitliches Hin- und Herspringen
- Sit-ups
- Liegestütz
- Standweitsprung
- Rumpfbeuge
- Sechs-Minuten-Lauf
Der DMT wurde von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) unter der Federführung von Prof. Klaus Bös (KIT) im Auftrag der Sportministerkonferenz entwickelt und 2009 vorgestellt. Eine Projektgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern des Sportministeriums, des Kultusministeriums, des LSBH, der Sportjugend Hessen sowie die KIT hat das Testverfahren für Hessen adaptiert. Das KIT übernimmt dabei die wissenschaftliche Begleitung des Projekts, die Datenauswertung und betreut zudem die hessische Schulverwaltung bei der Einführung des Testverfahrens. So wurden zum Beispiel umfassende Schulungsmaterialien für Lehrerinnen und Lehrer erstellt, damit das Testverfahren – je nach den Möglichkeiten vor Ort – in passenden Umsetzungsformen ermöglicht werden können. Von der Durchführung einer einzelnen Lehrkraft bis hin zu einem ganzen Bewegungstag mehrerer Grundschulen stehen verschiedene etablierte Modelle zur Verfügung. Eng betreut werden die Grundschulen dabei vor allem von der Zentralstelle für Schulsport und Bewegungsförderung (ZFS) des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen. Jede teilnehmende Grundschule erhält auch eine eigene Testtasche, die alle wesentlichen, für die Durchführung der acht Übungen nötigen, Materialien enthält.
Teilnahme freiwillig
Die Teilnahme von Zweitklässlerinnen und Zweitklässlern am HBC ist freiwillig. Eltern werden von teilnehmenden Schulen vorab informiert und um ihre Zustimmung gebeten. Jedes Kind, das am HBC teilnimmt, erhält eine eigene, kindgerechte Urkunde. Anstatt Noten werden hier „Pfoten“ vergeben und die Mädchen und Jungen erfahren so, in welchen Übungen sie besonders gut abgeschnitten haben, bzw. wo noch Nachholbedarf besteht.
Erziehungsberechtigte erhalten eine weitaus detailreichere Individualauswertung des Kindes. Diese setzt die Leistungen ins Verhältnis mit Gleichaltrigen. Abweichungen nach oben und unten sind jeweils leicht verständlich kenntlich gemacht. Neben der Information der Eltern geht es hier auch darum, das Thema Bewegung und Sport besonders in den Fokus zur rücken. Dafür wurde eigens die neue Webseite bewegungscheck.hessen.deÖffnet sich in einem neuen Fenster an den Start gebracht, die zurzeit auf- und ausgebaut wird. Sie soll als Plattform für Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Kinder, Sportvereine sowie -kreise dienen und alle wichtigen Informationen rund um den HBC aktuell und zeitgemäß präsentieren.
Bewegungskurse für Kinder mit motorischem Förderbedarf
Die Sportjugend Hessen hat unter Beteiligung der Sportkreise und der ZFS ein völlig neues 20-stündiges Bewegungsförderprogramm entwickelt, das jährlich mindestens 100 Grundschulen kostenlos angeboten werden kann. „Es ist für die Kinder konzipiert worden, die sich dringend mehr bewegen sollten. Bei dem Angebot werden vor allem die Grundschulen zuerst berücksichtigt werden, bei denen den HBC-Ergebnissen zufolge der größte Bedarf für zusätzliche Bewegungsförderung besteht. Ziel ist es dabei, die Angebote vor allem auch im Ganztag in Hessen zu organisieren. Damit bieten wir Kindern und Eltern eine niedrigschwellige Möglichkeit, um die Begeisterung für mehr Bewegung zu entfachen, gerne auch in der ganzen Familie“, sagte Bildungsminister Armin Schwarz. Sportjugend-Vorsitzende Malin Hoster ergänzt: „Unser Ziel ist es, Kindern positive Bewegungserfahrungen zu ermöglichen: Sie sollen Freude an Bewegung haben, ihre eigenen Stärken entdecken und erleben, dass sportliche Aktivität für sie persönlich wertvoll ist. Wenn es uns gemeinsam mit den Vereinen vor Ort gelingt, daraus auch langfristig Lust auf regelmäßige Aktivität entstehen zu lassen, haben die Bewegungsfördergruppen viel erreicht.“
Dabei setzt das Land auf die Sportvereine vor Ort und dazu auf die Unterstützung und die Expertise der hessischen Sportkreise. Sie fungieren als lokal vernetzte Koordinatoren des organisierten Sports, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Von der Sportjugend qualifizierte Übungsleiterinnen und -leiter sollen so den Weg in die Grundschulen finden, um Kinder mit motorischem Förderbedarf gezielt an die Hand zu nehmen und möglichst dauerhaft in Bewegung zu bringen.
Talenttage für die Fittesten
Anlässlich der anstehenden Entscheidung des organisierten Sports, welche deutsche Region sich für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben wird, betonte die Sportministerin Diana Stolz, dass viele unserer Medaillen-Hoffnungen für die ‚Spiele Zuhause‘ heute noch in die Schule gingen. „Auch deshalb werden wir die Jungs und Mädchen, die beim Bewegungscheck ganz herausragend abschneiden, zu regionalen Talenttagen einladen. Dort sollen sie vor allem ganz viel ausprobieren können und herausfinden, was es in Hessen für tolle Angebote des Nachwuchsleitungssports gibt und was zu ihnen passt. Hier geht es uns vor allem darum, ein Zeichen für den Leistungssport in Hessen zu setzen. Ganz im Sinne des ‚Hessischen Wegs‘ wollen wir zeigen, dass es sich lohnt, sein Bestes zu geben und dass unsere Gesellschaft Leistung zu würdigen weiß.“
Dafür entwickeln gerade die beiden Ministerien gemeinsam mit dem Landessportbund ein Konzept, das erstmals zu Beginn des nächsten Schuljahres umgesetzt werden wird. Denn: Um zu wissen, wer die Leistungsstärksten in einem Schuljahr waren, müssen alle erst einmal getestet worden sein.
„Der hessische Bewegungscheck ist also ein Gewinn für alle. Wir setzen zusammen genauso auf Bewegungsunterstützung, dort wo sie gebraucht wird, wie auf Talentförderung, dort wo die Medaillenhoffnungen der Zukunft liegen“, so Diana Stolz abschließend.