„Herzinfarkte bei Frauen werden zu spät erkannt, weil ihre Symptome anders sind. Das kostet Leben. Deshalb haben wir das Thema auf die Agenda der Gesundheitsministerkonferenz gesetzt und handeln in Hessen bereits. Frauengesundheit steht bei uns ganz oben", erklärte die Hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz anlässlich der 99. Gesundheitsministerkonferenz in Hannover. Auf hessische Initiative hin wird gemeinsam mit fünf weiteren Ländern dort ein Beschlussvorschlag eingebracht: Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen soll bundesweit zum Forschungs- und Förderschwerpunkt werden.
Der Handlungsbedarf ist dringend. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen bei Frauen weltweit. Ihre Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt sind deutlich schlechter als die von Männern, weil ihre Symptome oft verkannt werden: Neben Brustschmerzen treten Übelkeit, Schwindel, extreme Erschöpfung oder Kieferschmerzen auf. Beschwerden, die zu leicht als Stress abgetan werden. Hinzu kommt, dass Frauen bestimmte Risikofaktoren anders verarbeiten und manche Medikamente anders verstoffwechseln als Männer.
„Unsere Gesundheitsversorgung ist in vielen Bereichen noch auf die so genannte männliche Norm ausgerichtet. Das hat Folgen, die Leben kosten", so Stolz. Hessen setzt deshalb bereits konkrete Maßnahmen um: Das Woman Heart Health Center am Universitätsklinikum Frankfurt ist eines der ersten spezialisierten Zentren für kardiovaskuläre Frauengesundheit in Deutschland. „Frauengesundheit ist keine Nischenfrage und kein Gedöns. Sie ist eine Frage der Gerechtigkeit."
100. Gesundheitsministerkonferenz in Hessen
Anlässlich der in 2027 unter hessischem Vorsitz anstehenden Gesundheitsministerkonferenz, machte Stolz ihr erklärtes Ziel deutlich: „Wir müssen Vertrauen schaffen, damit die Menschen wissen: Das Gesundheitssystem ist für mich da. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass sie im Not- und Krankheitsfall medizinisch gut versorgt werden. Das ist eine Frage der Demokratie. Diese Richtschnur leitet uns in Hessen. Deshalb haben wir uns von Beginn meiner Amtszeit an gemeinsam mit allen relevanten Akteuren im Gesundheitssystem auf den Weg gemacht.“ Die Herausforderungen seien groß. Stolz betonte: „Ich habe immer gesagt, wir brauchen Reformen des Gesundheitssystems. Diese müssen aber so gestaltet werden, dass die Menschen weiterhin Vertrauen in die medizinische Versorgung haben. Ganz gleich, ob sie in der Stadt oder im ländlichen Raum leben. Es ist eine wichtige und herausragende Aufgabe, in Zeiten des Umbruchs den Vorsitz der GMK im kommenden Jahr innezuhaben, die hessische Handschrift einbringen zu können und mit den Kolleginnen und Kollegen die medizinische Versorgung deutschlandweit zukunftsfest aufzustellen. Wir müssen den Menschen hier ihre Sorgen nehmen und für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe.“
ME/CFS
Einen weiteren Schwerpunkt der GMK bildete die Versorgungssituation von Menschen mit Long Covid und Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Gemeinsam mit allen anderen Bundesländern hat Hessen den Antrag eingebracht: Der Bund soll über die konkreten Fortschritte bei der Umsetzung des GMK-Beschlusses von 2023 berichten. Zudem sprach sich die GMK dafür aus, eine klare Finanzierungsgrundlage für eine spezialisierte ambulante Versorgung von Schwerstbetroffenen zu schaffen, die auch aufsuchende Behandlung ermöglicht. Denn viele Erkrankte sind aufgrund ihrer Einschränkungen nicht mehr in der Lage, eine Arztpraxis aufzusuchen, und auf Unterstützung im häuslichen Umfeld angewiesen.