Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hat heute wichtige Beschlüsse zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Vapes und tabakfreien Nikotinbeuteln gefasst. Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz begrüßte die Entscheidungen ausdrücklich. Die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder sprechen sich für einen stärkeren Jugendschutz bei E-Zigaretten sowie für eine bundesweit einheitliche Regulierung tabakfreier Nikotinbeutel aus. Hessen hatte entsprechende Initiativen als Mitantragssteller eingebracht.
„Von der GMK geht wichtiges Signal für den Schutz unserer Kinder und Jugendlichen aus. Produkte wie Vapes und Nikotinbeutel werden häufig als harmlos dargestellt, bergen aber erhebliche Gesundheitsrisiken und können früh in die Nikotinabhängigkeit führen. Daher ist es vollkommen richtig, dass die Länder gemeinsam entschlossen vorangehen und mit klarer Haltung eine stärkere Regulierung einfordern. Der Jugendschutz muss mit den Entwicklungen auf dem Markt Schritt halten. Darin ist sich die GMK einig“, sagte Gesundheitsministerin Diana Stolz.
Nikotinbeutel sollen ins Tabakrecht
Sogenannte tabakfreie Nikotinbeutel, die zwischen Backe und Zähne geklemmt werden, stellen die Vollzugsbehörden seit Jahren vor Herausforderungen. Bislang fehlt eine spezifische Regelung im Tabakrecht. Die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister fordern den Bund geschlossen dazu auf, alle notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen auszuschöpfen, um die bestehende Regelungslücken zu schließen und den Schutz junger Menschen zu stärken. Ebenso soll die Möglichkeit geprüft werden, wie Vermarktungsstrategien, die sich gezielt an junge Menschen richten, wirksam eingedämmt werden können.
Freizeittrend „Vapen“ bei Kindern und Jugendlichen stoppen
Auch beim Umgang mit den verhältnismäßig neuen E-Zigaretten, den sogenannten Vapes, haben die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister eine klare Haltung und dringende Handlungsbedarfe festgestellt. So sprechen sich die Länder dafür aus, die Attraktivität von E-Zigaretten für junge Menschen kritisch zu überprüfen. Insbesondere bunte Designs, süße Geschmacksrichtungen und die gezielte Ansprache in den Sozialen Medien tragen dazu bei, dass die Produkte bei Jugendlichen zunehmend an Beliebtheit gewinnen.
„‚Dampfen‘ ist keine Freizeitbeschäftigung und Vapes kein Lifestyle-Produkt für unsere Kinder und Jugendlichen. Wir müssen den Nachwuchs vor diesem schlechten Trend schützen, denn wir wollen, dass Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen. Dazu gehören Bewegung, Sport und eine Lebensweise ohne Suchtmittel. Die Geschlossenheit der Länder ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Jetzt erwarten wir, dass die notwendigen gesetzlichen Konsequenzen auf Bundesebene umgesetzt werden“, so Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz.
Die beiden Beschlüsse der 99. Gesundheitsministerkonferenz, die am 10. und 11. Juni in der Landeshauptstadt Hannover in Niedersachsen stattfand, setzen damit ein deutliches Zeichen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen und für einen verantwortungsvollen Umgang von neuen Trend-Produkten.
Hintergrund
Im Gegensatz zu traditionellen Tabakprodukten wie Snus - einem oralen Tabakerzeugnis, dessen Vertrieb in der Europäischen Union mit Ausnahme von Schweden untersagt ist - enthalten Nikotinbeutel keinen Tabak. Sie bestehen aus einer Mischung verschiedener Inhaltsstoffe, darunter Nikotinsalze, mikrokristalline Zellulose, Aromen sowie weitere Zusätze wie Natriumcarbonat.
Die Beutel werden zwischen Lippe und Zahnfleisch platziert, sodass das enthaltene Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Von dort gelangt es direkt in den Blutkreislauf und anschließend ins Gehirn. Nikotinbeutel können je nach Produkt erhebliche Mengen Nikotin enthalten; hochdosierte Varianten erreichen Nikotingehalte von bis zu 47,5 mg pro Beutel. Studien zur Aufnahme und Verteilung von Nikotin im Körper zeigen, dass ein wesentlicher Teil des enthaltenen Nikotins über die Mundschleimhaut resorbiert wird. Dadurch können Blutnikotinspiegel erreicht werden, die mit denen beim Rauchen von Zigaretten vergleichbar sind oder diese sogar übertreffen. Insbesondere bei hochdosierten Produkten erfolgt der Anstieg der Nikotinkonzentration im Blut sehr rasch, was auf ein entsprechend hohes Abhängigkeitspotenzial hinweist.
Darüber hinaus wirkt Nikotin stimulierend auf das vegetative Nervensystem. Es kann die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöhen, die Ausschüttung von Stresshormonen fördern und die Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln steigern. Langfristig können diese Effekte zur Schädigung von Blutgefäßen beitragen. Besondere Risiken bestehen für Schwangere, Stillende sowie Kinder und Jugendliche, da Nikotin die Entwicklung des Gehirns und der Lunge beeinträchtigen kann.
Obwohl Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, können sie geringe Mengen tabakspezifischer Nitrosamine (TSNA) aufweisen. Diese Stoffe gelten als potenziell krebserregend. Zudem kann der direkte Kontakt der Beutel mit der Mundschleimhaut lokale Reizungen, Entzündungen oder andere Schädigungen im Mundraum begünstigen. Auch die Zahnärzteschaft weist auf die gesundheitlichen Risiken für Mund- und Zahngesundheit hin.