„Das Pflegehotel ist ein Beispiel dafür, wie durch aktivierende Pflege und präventive Therapieangebote der Verlauf der Pflegebedürftigkeit verlangsamt werden kann. Solche Angebote der Kurzzeit- und Tagespflege können den Prozess bremsen, die Selbstständigkeit stärken und Menschen länger einen selbstbestimmten Alltag ermöglichen. Das Pflegehotel Willingen lebt eindrucksvoll vor, wie dies funktionieren kann“, erklärte Stolz am Dienstag vor Ort. Die Gesundheitsministerin lobte die Arbeit der innovativen solitären Kurzzeitpflege- und Tagespflegeeinrichtung.
„Pflege muss sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Dabei sind innovative Angebote von großer Bedeutung, um den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft zu begegnen. Das Pflegehotel Willingen hat Pflege und Betreuung neu gedacht. Hier wird die Selbstständigkeit der Menschen gestärkt, um den dauerhaften Einzug in ein Pflegeheim hinauszuzögern. Zugleich werden Freiräume für Familien und Angehörige geschaffen, die neue Kraft tanken können. Solche Ideen brauchen wir, wenn wir Pflege auch in Zukunft verlässlich gestalten wollen“, so die Gesundheitsministerin in Willingen.
Seit 2008 setzte das Pflegehotel Willingen mit seinem innovativen Konzept, eine Kombination aus präventiven und rehabilitativen Pflege- und Betreuungsleistungen, ergänzt um physiotherapeutische Angebote, bundesweit neue Maßstäbe. Die Einrichtung vereint eine hotelähnliche Atmosphäre mit aktivierender Reha-Kurzzeitpflege und speziellen Tagesaktivitäten. Damit zielt es darauf ab, die Pflegebedürftigkeit durch gezielte Anwendungen zu reduzieren. Das Konzept umfasst auch die Unterbringung von meist stark beanspruchten Angehörigen, die neue Kraft sammeln und neue Perspektiven für die Vereinbarkeit von Pflege und Familie gewinnen können.
Land förderte Pflegehotel Willingen mit drei Millionen Euro
Das Pflegehotel Willingen bietet seit 2023 insgesamt 56 Plätze für Kurzzeitpflege sowie zehn Plätze für pflegende Angehörige und 31 Tagespflege-Plätze an. Die Pflegeeinrichtung im nordhessischen Willingen profitierte 2018 bis 2024 von Landesförderungen in Höhe von rund drei Millionen Euro für den Um- und Erweiterungsbau, die auch Kurzzeit- und Tagespflege erbringt.
Digitalisierung in der Pflege voranbringen
Noch in diesem Jahr wird Frau Waltraud Rebbe-Meyer, Geschäftsführerin der Pflegehotel Willingen GmbH, ihre erfolgreiche Arbeit an zwei Nachfolger weiterreichen, welche die Erprobung und Entwicklung von digitalen Möglichkeiten im Pflegewesen einsetzen und voranbringen möchten. So könnten digitale Anwendungen künftig helfen, Risiken schneller zu erkennen, drohende Komplikationen und damit Verschlechterungen des Pflegezustandes zu vermeiden und Angehörige gezielter zu entlasten.
„Wir möchten zeigen, dass Digitalisierung in der Pflege nicht bei Dokumentation und Verwaltung enden darf. Sie muss dort ankommen, wo sie Pflegebedürftige stabilisiert, Angehörige entlastet und vermeidbare Krisen verhindert“, so der künftige Einrichtungsleiter Julius Müller.
Landespflegekonzept Ende 2026
Diana Stolz, Gesundheitsministerin des Landes Hessen, dankte für die Möglichkeit des Besuchs in der Einrichtung und betonte, dass die gemachten Erfahrungen und Hinweise wertvolle Impulse für das Landespflegekonzept (LPK) liefern, welches Ende 2026 vorgestellt wird. Im Mai dieses Jahres hatten bereits Vertreterinnen und Vertreter einer begleitenden Arbeitsgruppe zur Entwicklung des Landespflegekonzepts sowie Vertreterinnen des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege die Einrichtung besucht, um sich über die Angebote zu informieren.
Insgesamt gibt es in Hessen mehr als 2.400 Pflegeeinrichtungen, davon mehr als 1.300 ambulante Pflege- und Betreuungsdienste sowie mehr als 1.000 stationäre Pflegeheime.