Stolz betonte, es gehe auch darum, durch die Hilfe zur Selbsthilfe länger aktiv zu bleiben und damit möglichst erst später auf Pflege angewiesen zu sein.
Gemeinsam mit Stolz und dem Landrat des Kreises Bergstraße, Christian Engelhardt, begleitete Warken Gemeindepflegerin Christina Adler-Schäfer auf einem Hausbesuch bei einer Bürgerin, die dieses Angebot in Anspruch nimmt – und erlebte so unmittelbar, was dieses Programm im Alltag bedeutet.
Warken erklärt: „Das Konzept der Gemeindepflege lebt bereits den Ansatz, der ein Schwerpunkt der anstehenden Pflegereform wird: Durch frühzeitige Begleitung und Prävention wollen wir die Selbstständigkeit bewahren, gesunde Lebensjahre verlängern und damit Pflegeberdürftigkeit vorbeugen. Dadurch wird Teilhabe gestärkt und die Möglichkeit geschaffen, früh auf Veränderungen reagieren zu können. Insbesondere für Angehörige schafft das Angebot der Gemeindepflege Entlastung und Zeit zum Durchatmen. Das ist ein zentrales Ziel der anstehenden Reform, denn Angehörige schultern einen wesentlichen Teil der Pflege in Deutschland."
Förderung wird weiterentwickelt
Anlässlich des Termins kündigte Ministerin Stolz an, die Gemeindepflege weiterzuentwickeln – damit das Programm noch passgenauer wirkt, gerade im ländlichen Raum. Konkret soll die Förderung künftig Landkreiskonzepte und den bedarfsgerechten Ausbau in Hessen stärken und die Veränderungen in der Versorgungslandschaft berücksichtigen: „Die Landkreise können so Konzepte verwirklichen, die noch stärker an den lokalen Bedarfen ihrer Bürgerinnen und Bürger orientiert sind und im besten Fall an die Pflegestützpunkte angebunden sind. So können bestehende Angebote zusammenwachsen und Lücken in der Fläche gezielt geschlossen werden", so Stolz. Damit Kommunen und Landkreise die nötige Zeit haben, dies gemeinsam zu planen, gibt es ein Übergangsjahr: Die bisherige Förderung läuft bis Ende 2027 weiter. Wer bereits dabei ist, kann seine Förderung frühzeitig verlängern – ohne Unterbrechung, das schafft Planungssicherheit. Ab 2028 gilt dann die neue Förderrichtlinie.
Erfolgsmodell mit wachsender Bedeutung
Landrat Christian Engelhardt begrüßte die Ankündigung: „Der Landkreis Bergstraße war hier Pionier, als Diana Stolz noch Gesundheitsdezernentin war. Ich freue mich sehr, dass sie als Ministerin die Gemeindepflege in der heute angekündigten Form in die Zukunft führt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Modell auch für Deutschland eine Blaupause sein kann."
Die Gemeindepflegerin Christina Adler-Schäfer sagt über ihre Arbeit: „Die Tätigkeit als Gemeindepflegerin ist eine absolut wichtige Arbeit, verbindet sie doch intensive persönliche Beratung der Seniorinnen und Senioren mit der Schaffung von Hilfsangeboten vor Ort, die es den älteren Menschen ermöglichen, möglichst lange in ihrem Zuhause zu verbleiben"
Brigitte Fettel, die Bürgerin, die besucht wurde, sagt über die Arbeit der Gemeindepfleger: „Durch die Beratungs- und Vermittlungstätigkeit der Gemeindepflegerin habe ich in einer schwierigen Lebenssituation ganz konkrete Hilfe im Alltag erhalten. Ich weiß nicht, was aus mir und meinem Mann geworden wäre, wenn ich zu diesem Zeitpunkt diese Unterstützung nicht gehabt hätte."
Gemeindepflegerinnen und Gemeindepfleger unterstützen ältere Menschen, die zu Hause leben und noch nicht pflegebedürftig sind. Sie sind verlässliche Ansprechpartnerinnen im Alltag, die beraten, begleiten und weitervermitteln. „Sie kommen, bevor es schwer wird, sie kommen, wenn sie gebraucht werden und sie kommen aus der Mitte der Gemeinschaft", betonte Stolz.
Unterstützung im Alltag
Die Gemeindepflegerinnen und Gemeindepfleger beraten zu Fragen der Gesundheitsvorsorge, stärken die soziale Teilhabe und ermutigen zu einer Lebensführung, die die Selbstständigkeit möglichst lange erhält. Sie können dabei auch einen aktiven Beitrag leisten, den Eintritt in die Pflegebedürftigkeit deutlich hinauszuzögern. Dabei wirken sie aktiv auch der Einsamkeit entgegen, die eines der größten gesundheitlichen Risiken im Alter ist. „Was unsere Gemeindepflegekräfte leisten, lässt sich nicht in Formularen messen, aber in dem Vertrauen, das entsteht, wenn jemand zur rechten Zeit klingelt und fragt, wie es geht und weiterhilft, wo jemand nicht weiter weiß", so die hessische Staatsministerin.
Dass die Bundesgesundheitsministerin eigens nach Bürstadt kommt, ist kein Zufall. Die Gemeindepflege hat sich als Erfolgsmodell erwiesen: Seit dem Programmstart 2018 ist die Zahl der geförderten Kräfte in Hessen von 14 auf heute 91 gestiegen und wird in den meisten Kreisen Hessens aktiv genutzt – ein deutliches Zeichen, dass die Kommunen dieses Angebot annehmen und tragen. Der Landkreis Bergstraße war dabei der erste und hatte das Konzept mit dem Land entwickelt und praktiziert die Gemeindepflege bereits als kreisweites Konzept. Heute sind dort vier Gemeindepflegekräfte in zwei Regionen aktiv: in den Gemeinden im vorderen Odenwald und in den Kommunen im Ried, darunter Bürstadt. Was hier gewachsen ist, kann Vorbild sein, sowohl für andere Landkreise in Hessen als auch für Deutschland.
Über die Gemeindepflege in Hessen
Das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege fördert seit 2018 Gemeindepflegerinnen und Gemeindepfleger als niedrigschwelliges Beratungs- und Unterstützungsangebot für ältere Menschen. Ziel ist es, Unterstützungsbedarfe im medizinischen, pflegerischen und sozialen Bereich frühzeitig zu erkennen und in Angebote vor Ort weiterzuvermitteln – damit ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrer eigenen Häuslichkeit leben können. Aktuell werden landesweit 91 Gemeindepflegekräfte gefördert.