Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege

Bürgerbefragung liefert klare Impulse

Welche Informationsangebote kennen die Hessinnen und Hessen zum Thema Pflege? Wie gut helfen die bereits bestehenden Angebote, sich zu orientieren? Welche Verbesserungen wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger bei der Pflegeberatung? Antworten auf diese Fragen liefert die landesweite Bürgerbefragung „Hessen hört zu: Pflege - Was sagen Sie?“ des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, an der sich mehr als 3.500 Menschen im Zeitraum vom 17.11.2025 bis 17.01.2026 über das Online-Beteiligungsportal Hessen beteiligt haben. Die nicht repräsentative Online-Umfrage bietet ein Stimmungsbild von Menschen, die sich intensiv mit Pflege beschäftigen und aus eigener Erfahrung berichten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse liefern nunmehr wertvolle Impulse für bevorstehende Maßnahmen, wie die Entwicklung eines neuen Landespflegekonzepts.

Gesundheitsministerin Diana Stolz sagte zur Befragung: „Pflege ist kein Fachthema, sondern vielmehr die gesellschaftliche Zukunftsaufgabe unserer Zeit. Unser größter Pflegedienst in Hessen sind dabei die Angehörigen. Über 86 Prozent der Pflegebedürftigen in Hessen werden zu Hause versorgt. Häufig erfolgt die Pflege durch nahestehende Angehörige und damit innerhalb der Familien. Deshalb war es uns wichtig, nicht nur Expertinnen und Experten einzubeziehen, sondern vor allem Angehörige, Pflegebedürftige oder auch beruflich Pflegenden zuzuhören, die sich intensiv und täglich mit Pflege beschäftigen. Die hohe Beteiligung zeigt, wie wichtig dieses Thema den Menschen in Hessen ist. Wir hören in Hessen ganz genau hin und bringen Pflege gemeinsam voran. Die Umfrage zeigt uns, dass wir in Hessen auf einem guten Weg sind. Gleichwohl gilt es, die Impulse aus der Umfrage aufzugreifen, um bestehende Angebote noch bekannter zu machen und noch passgenauer auszugestalten. “

Die Teilnehmenden an der Befragung wiesen einen hohen Bezug zur Pflege auf. Drei Viertel der Befragten sind zwischen 45 und 74 Jahre alt, weiblich und leben in ländlichen Regionen. Für die überwiegende Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird das Thema Pflege als relevant eingestuft. Rund 60 Prozent der Befragten halten das Thema persönlich für „sehr wichtig“, weitere rund 20 Prozent für „eher wichtig“. Für 84 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist das Thema für die Gesellschaft „sehr wichtig“.

Land wird Informationsangebot erweitern

Die Befragung bestätigt, dass viele am komplexen Thema Pflege Interessierte bereits konkrete Erfahrungen gemacht haben. Ein Großteil der Befragten (86 Prozent) hat sich bereits intensiv informiert und innerhalb der eigenen Familie oder dem eigenen sozialen Umfeld, auf Internetseiten oder etwa über Pflegestützpunkte wertvolle Informationen erhalten. Dabei bleibt festzuhalten, dass Informationen über Pflege auch aufgrund vieler unterschiedlicher Akteure ein komplexes Themenfeld darstellen. Die Befragung zeigt, dass jene Befragten, die ein Beratungsangebot bereits wahrgenommen haben, die bereitgestellten Informationen zu 80 Prozent als hilfreich bewerteten. Wer sich tiefergehend mit dem Thema Pflege auseinandersetzt, gewinnt oftmals wertvolles Fachwissen und kann sich eine Grundexpertise aufbauen.

„Wer vor der Aufgabe steht, sich online über Pflegeleistungen, Pflegeversicherungen oder etwa Unterstützungsangebote beraten zu lassen, findet zahlreiche, jedoch stark verstreute Informationen vor. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass sich die Menschen hierbei einen transparenten und leicht verständlichen Überblick über die bestehenden Versorgungsangebote in Hessen wünschen. Wir werden diesem Informationswunsch nachkommen, indem wir den Menschen den Weg durch das Pflegesystem deutlich erleichtern werden. Daher werden wir eine neue zentrale Informationsplattform zur Vernetzung bestehender Angebote in Hessen einführen, welche übersichtlich alle wesentlichen Pflege-Angebote bereithält. Wir wollen über dieses Online-Angebot aus einer Hand Orientierung und Sicherheit geben, denn Familien sind mit Eintritt eines plötzlichen Pflegefalls häufig bereits genug belastet“, kündigte Gesundheitsministerin Diana Stolz an.

Hessen unterstützt Kommunen bei der Anstellung von Gemeindepflegerinnen und -pflegern mit finanziellen Mitteln, damit ältere Menschen frühzeitig Beratung und präventive Hilfe erhalten, welche die Pflegebedürftigkeit hinauszögern können. Die Landesregierung unterstützt die Pflegestützpunkte, die im Rahmen des „CaseManagements“ Betroffene und ihre Familien wohnortnah, einzelfallbezogen, individuell und bedarfsorientiert beraten und die Vernetzung vor Ort im Blick behalten. Damit pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in schweren Lagen eine zuverlässige Anlaufstelle für ihre Fragen finden, gibt es in Hessen seit vielen Jahren flächendeckend und in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Pflegestützpunkte.

„Pflegestützpunkte sind zuverlässige und kompetente Anlaufstellen vor Ort, die für Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen extrem wichtig sind, um sich teils in einer komplett neuen oder andauernd schwierigen Situation zurechtzufinden. Es gilt die guten bestehenden Strukturen und die vielen sehr guten Angebote weiter bekannt zu machen“, so Diana Stolz.

Pflegende Angehörige sind Rückgrat des Systems

Die Befragung bestätigt zugleich einen bereits bekannten Befund. Pflege findet überwiegend zuhause und über nahe Angehörige statt. Häufig wird die Versorgung gemeinsam mit ambulanten Pflegediensten organisiert. Für viele Befragte steht deshalb fest, dass pflegende Angehörige künftig noch stärker unterstützt werden sollten.

„Pflegende Angehörige leisten jeden Tag und oft über viele Jahre Enormes. Dabei befinden sie sich häufig in einer Doppel- oder gar Dreifachbelastung, denn auch der Beruf und weitere familiäre Verpflichtungen binden Kräfte. Ohne dieses Engagement familiärer Nächstenliebe würde unser Pflegesystem aber nicht funktionieren. Deshalb ist die Unterstützung pflegender Angehöriger eine wichtige Kernaufgabe moderner Pflegepolitik“, so die Ministerin.

Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“

Da die Mehrheit der pflegenden Angehörigen und Nahestehenden weiterhin erwerbstätig ist, setzt sich das Land Hessen für eine pflegesensible Unternehmenskultur ein. Mit der Initiative "Beruf und Pflege vereinbaren" wird gemeinsam mit mehreren Partnerinnen und Partnern für tragfähige betriebliche Konzepte geworben. Die Initiative wird aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert und von der Forschungsstelle des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft e.V. umgesetzt. Heute haben bereits 350 pflegesensible Arbeitgeber mit insgesamt mehr als 330.000 Beschäftigten die Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege unterzeichnet.

Fachkräftesicherung

Als größte Herausforderungen in der Pflege benannten die Befragten die Verfügbarkeit von Fachkräften, die Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufs sowie die Qualität der Ausbildung gefolgt von der Finanzierung und Bezahlbarkeit der Pflege.

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft wurde erst zum 1. Januar 2020 neu eingeführt und hat über die Jahre nach und nach die bisherigen Ausbildungsberufe in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege ersetzt. Seit einigen Jahren steigen die Ausbildungszahlen in der Pflege in Hessen an.

„Die Pflegerinnen und Pfleger in unserem Land leisten tagtäglich Herausragendes für unser Land. Sie sind für andere Menschen da und helfen. Der Pflegeberuf verlangt dabei viel, er gibt aber auch jede Menge zurück. Gut ausgebildetes und motiviertes Fachpersonal ist für eine am Menschen orientierte hochwertige Pflege von herausragender Bedeutung. Die Attraktivität der Pflegeausbildung gilt es daher weiter zu steigern“, so Diana Stolz.

Die Erkenntnisse aus der Umfrage „Hessen hört zu: Pflege - Was sagen Sie?“ werden in das Hessische Landespflegekonzept einfließen. Hessen verfolgt bei der Fortentwicklung der Pflege ganz bewusst einen partizipativen Ansatz. Sie finden die Ergebnisse der Befragung unter „Weitere Informationen“ am Ende dieser Pressemitteilung.

Hintergrund: Hessen denkt Pflege weiter

Nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen leben mehr als 420.000 pflegebedürftige Menschen in Hessen, davon 86,4 Prozent in häuslicher Pflege. Der prozentuale Anteil der Pflegebedürftigen an der hessischen Gesamtbevölkerung beträgt damit rund sieben Prozent. Jeder 15. Hesse ist pflegebedürftig. Seit vielen Jahren steigt aufgrund der demografischen Entwicklung sowie der Neuausrichtung des Pflegebegriffs die Zahl von Pflegebedürftigen deutlich an.

Pflege ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit, weshalb die Landesregierung auf dem umfassenden Themenfeld einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, der Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und professionelle Pflege gleichermaßen in den Blick nimmt. Ziel aller Maßnahmen ist es, Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen, den Eintritt in die Pflegebedürftigkeit zu verzögern und diejenigen zu stärken, die täglich im Bereich Pflege mit Liebe, Empathie und Zugewandtheit Verantwortung übernehmen.

Mit dem Landespflegekonzept entwickelt Hessen derzeit gemeinsam mit Kommunen, Pflegeeinrichtungen, Verbänden und Betroffenen die Pflege von morgen. Der Pflegemonitor schafft hierfür eine belastbare Datengrundlage, damit politische Entscheidungen dort ansetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. Er umfasst Zahlen, Daten, Fakten zur Ausbildung, den Arbeitsmarkt und prognostiziert den zukünftigen Bedarf.

Mit Förderprogrammen für „Innovative Modellprojekte“ werden Projekte in der Kurzzeit-, Tagespflege und ambulanten Wohnformen gefördert, die neue Lösungsansätze zur Weiterentwicklung sozialraumorientierter pflegerischer Versorgungsstrukturen in Hessen bieten können. Hierzu zählen auch Maßnahmen zur Modernisierung von Alltagsprozessen, beispielsweise durch interdisziplinäre Kooperationen oder kultursensible Pflege, sowie die Erprobung von Strategien zum Umgang mit herausforderndem Verhalten.  Gleichzeitig investiert das Land gezielt in die Entlastung pflegender Angehöriger – durch den Ausbau von Unterstützungsangeboten im Alltag, die Stärkung der Pflegeberatung und der Pflegestützpunkte sowie durch Gemeindepflegerinnen und Gemeindepfleger, die ältere Menschen frühzeitig begleiten und Hilfen vernetzen. Auch die Gewinnung von Fachkräften und die Sicherung einer hochwertigen Pflegeausbildung sind zentrale Bausteine hessischer Pflegepolitik, welche mit einem partizipativen Ansatz die Menschen in den Mittelpunkt aller Maßnahmen stellt.

Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier: Pflege | Hessen Familie 

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Pressesprecherin Esther Walter

Esther Walter

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