Denn Herzinfarkte äußern sich bei Frauen häufig ganz anders als bei Männern – Übelkeit, Schwindel, Erschöpfung statt des klassischen Brustschmerzes. Symptome, die zu oft übersehen oder als Stress abgetan werden. Hinzu kommt: Jahrzehntelang wurden Frauen in der Herzforschung zu wenig berücksichtigt, Diagnosestandards auf männliche Patienten ausgerichtet. Die Folge ist ein handfester „Gender-Health-Gap“ – mit lebensbedrohlichen Konsequenzen.
„Immer noch ist unsere Gesundheitsversorgung in vielen Bereichen vor allem auf die männliche Norm ausgerichtet. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden nicht ausreichend berücksichtigt – das hat spürbare Folgen für die Frauen", so Stolz weiter. „Sei es, weil sich Ersthelfer nicht trauen, eine Frau zu reanimieren. Oder weil Frauen seltener an Rehamaßnahmen teilnehmen – aus familiären Verpflichtungen, fehlender Information oder strukturellen Hürden. Auch die Gesellschaft muss besser darüber informiert werden, dass Symptome bei Frauen anders sind, damit auf Symptome angemessen reagiert werden kann. Es geht hier nicht nur um Medizin, sondern auch um gesellschaftliche Rahmenbedingungen."
Frauengesundheit von morgen aktiv mitgestalten
Für die Veranstaltung konnten ausgewiesene Expertinnen gewonnen werden. PD Dr. med. Laura Rottner, Geschäftsführende Oberärztin und Leiterin der gendersensitiven Rhythmologie an der Universitätsmedizin Frankfurt, machte deutlich: „Gespräche und Treffen wie diese heute sind extrem wichtig, um Frauengesundheit von morgen aktiv mitzugestalten. Patientinnen können und sollen uns als Ärztinnen und Ärzte immer aktiv ansprechen. Wir als Ärztinnen und Ärzte nehmen ihre Beschwerden ernst und gehen individuell der Sache auf den Grund."
Auch Anke Jester, ehrenamtliche Beauftragte der Deutschen Herzstiftung (größte deutsche Patientenorganisation auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen), ermunterte dazu, Symptomen oder Beschwerden nachzugehen: „Nicht jede Herzerkrankung ist sichtbar, nicht jede Erkrankung erkennt man von außen."
Woman Heart Health Center in Frankfurt am Main
Hessen geht beim Thema voran: Mit dem Woman Heart Health Center in Frankfurt am Main – einem der ersten spezialisierten Zentren dieser Art in Deutschland – widmet sich ein Pionierprojekt gezielt der kardiovaskulären Gesundheit von Frauen. Ergänzt wird dies durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, wie die Mitmachaktion der Universitätsmedizin Frankfurt zum internationalen „Go Red Day" im Main-Taunus-Zentrum im Februar dieses Jahres, bei der zahlreiche Frauen niedrigschwellige Vorsorgeangebote nutzten.
„Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen nicht nur die einzelne Patientin. Sie verändern ganze Lebensverläufe, wirken sich auf Familien aus und hinterlassen im schlimmsten Fall tiefe Lücken, wenn ein Mensch viel zu früh verstirbt", so Stolz abschließend. „Frauengesundheit steht in Hessen oben auf der Agenda – und dieses parlamentarische Frühstück zeigt, dass wir das Thema gemeinsam und mit dem nötigen Nachdruck angehen."