Sechs Personen halten vor einem eingerüsteten Neubau ein Schild mit der Aufschrift: „CHILDHOOD-HAUS KASSEL – Gemeinsam für Kinderschutz in Hessen“.

Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege

Kassel plant zweites Childhood-Haus

Sechs Partner unterstreichen ihre gemeinsame Verantwortung für den Aufbau eines Childhood-Hauses in Nordhessen. Familien- und Gesundheitsministerin Diana Stolz: „Uns ist es ernst mit dem Kinderschutz in Hessen!"

Der Aufbau des zweiten hessischen Childhood-Hauses nimmt konkrete Form an: Die Hessische Gesundheits- und Familienministerin Diana Stolz, der Hessische Innenminister Prof. Roman Poseck, der Hessische Justizminister Christian Heinz, Bürgermeisterin Nicole Maisch (Kassel), Dr. Thomas Fischer, medizinischer Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums Kassel und Dr. Astrid Helling-Bakki, Geschäftsführung der World Childhood-Foundation Deutschland haben am Montag eine Absichtserklärung unterzeichnet. „Mit diesem gemeinsamen Bekenntnis setzen wir heute ein weiteres starkes Signal für den Kinderschutz in Hessen. Uns ist es ernst. Jedes Kind, dem wir helfen können, ist unser aller Einsatz wert. Kinder die sich nicht selbst helfen und schützen können, verdienen unseren besonderen gemeinsamen Schutz und Hilfe. Deshalb hilft jeder gemeldete Fall dem betroffenen Kind. Jeder von uns muss hinschauen und handeln. Jeder von uns hat hier Verantwortung“, so Stolz.

Gemeinsames Signal für besseren Kinderschutz

Im Childhood-Haus Kassel sollen Medizin, Polizei, Justiz, Jugendhilfe und Psychologie eng unter einem Dach zusammenarbeiten – damit Kinder, die sexualisierte Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben, schnell und so belastungsarm wie möglich Hilfe bekommen. Das Projekt befindet sich bereits in der konkreten Aufbauphase.

Innenminister Roman Poseck: „Das Childhood-Haus Kassel ist ein Meilenstein für den Schutz von Kindern in Nordhessen. Die Polizei setzt sich täglich dafür ein, dass betroffene Kinder und Jugendliche schnell, sensibel und ohne zusätzliche Belastung Hilfe erhalten. Die enge Zusammenarbeit unter einem Dach – mit Medizin, Justiz und Jugendhilfe – ermöglicht es, Ermittlungen effizienter zu gestalten und gleichzeitig die psychische Belastung für die Opfer zu minimieren. Der Einsatz von Videovernehmungen entlastet nicht nur die Kinder, sondern stärkt auch die Beweisführung. Das ist ein Gewinn für den Opferschutz und die Rechtsstaatlichkeit.

Zusammenarbeit für schnelle und schonende Hilfe

Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen, wie wichtig konsequente Ermittlungen für den Kinderschutz sind. Nur wenn Fälle aufgedeckt und Täter überführt werden, wird Kindern, die schweres Unrecht erfahren, wirklich geholfen. Allein in Hessen wurden letztes Jahr 1.341 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern registriert. Jeder dieser Fälle ist einer zu viel und jedes betroffene Kind verdient unseren vollen Einsatz.“

Justizminister Christian Heinz: „Der Rechtsstaat muss die Opfer von häuslicher Gewalt und diejenigen, die mit ihr konfrontiert sind, wirksam schützen. Deshalb müssen wir auch die Kinder, die in einem gewalttätigen Umfeld aufwachsen müssen, gleichermaßen und viel stärker in den Blick nehmen. So setzen wir uns beispielsweise dafür ein, dass Täter mit Konsequenzen im Sorge- und Umgangsrecht rechnen müssen, wenn sie handgreiflich werden. Der Umgang soll eingeschränkt oder ausgeschlossen werden können. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Childhood-Haus. Die Erfahrungen unserer Familienrichterinnen und Familienrichter in Frankfurt zeigen, dass diese Einrichtung in besonderer Weise dazu beiträgt, dass sich die Opfer öffnen und über ihre schrecklichen Erlebnisse sprechen können. Ich freue mich sehr, dass es sehr bald auch ein Childhood-Haus in Kassel geben wird.“

Unterstützung durch Justiz und Kommune

Bürgermeisterin Nicole Maisch, zugleich Dezernentin für Jugend und Gesundheit, sagt: „Der Aufbau des Childhood-Hauses bei uns in Kassel ist für mich mehr als ein Projekt – es ist ein Versprechen. Ein Versprechen, dass wir als Stadt Kassel Verantwortung übernehmen für jene, die am dringendsten unsere Unterstützung brauchen. Wenn Kinder Gewalt oder schlimmste Vernachlässigung erfahren, muss sich das System anpassen und nicht die Kinder an das System, denn diese Wege belasten sie zusätzlich. Sie brauchen einen Ort, der sie schützt, ihnen zuhört und der ihnen sowie ihren Angehörigen hilft. Dieses Haus steht für ein gemeinsames Handeln aller Beteiligten, bei dem das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht.“

Dr. Thomas Fischer, Ärztlicher Direktor des Klinikum Kassel und medizinischer Geschäftsführer Klinikum Kassel und Casalis, erklärt: „Zu viele Kinder in Deutschland müssen Missbrauch und Vernachlässigung erleben. Als Ärztlicher Direktor eines Hauses der Maximalversorgung sehe ich es als unsere unbedingte Verpflichtung an, den schutzbedürftigen Kindern mit größter Aufmerksamkeit und Fürsorge beizustehen. In unserem Krankenhaus bieten wir nicht nur die bestmögliche Medizin für die Kinder – wir sind auch Hüter von Vertrauen und Hoffnung. Gemeinsam mit unseren Partnern sorgen wir dafür, dass Kinder in Not die Hilfe und Geborgenheit erhalten, die sie benötigen. Jedes Kind verdient Sicherheit.“

Bündelung von Hilfen an einem Ort

Das Childhood-Haus Kassel entsteht in enger Kooperation mit den Kleinen Riesen Nordhessen und wird im derzeit entstehenden Kleine-Riesen-Haus in der Mönchebergstraße verortet. Auch das Klinikum Kassel ist zentral eingebunden: Die bereits bestehende Kinderschutzambulanz wird ihre medizinische Expertise in das Konzept einbringen und künftig eng mit den weiteren beteiligten Professionen im Childhood-Haus zusammenarbeiten. Ziel ist es, medizinische Untersuchungen, Befragungen und psychosoziale Unterstützung an einem Ort zu bündeln und so die Belastung für betroffene Kinder deutlich zu reduzieren.

„Wir setzen heute nicht nur eine Unterschrift, sondern ein sichtbares Zeichen – für Kinderrechte, für Verantwortung und für einen Perspektivwechsel, der längst überfällig ist. Mit dem Childhood-Haus Kassel entsteht der zweite Standort in Hessen – und damit ein starkes Bekenntnis zu einem Kinderschutz, der nicht an Ressortgrenzen endet. Hessen geht hier entschlossen voran: interdisziplinär, kindzentriert und mit dem klaren Willen, Strukturen nachhaltig zu verändern. Dafür gebührt dem Land Hessen, der Stadt Kassel und allen beteiligten Ressorts und Institutionen großer Respekt – und vor allem den Fachkräften, die diese Arbeit hier leisten“, betonte Dr. Astrid Helling-Bakki, Vorstand und Geschäftsführung der World Childhood Foundation Deutschland.

„Kinder, die so Schlimmes erfahren haben, brauchen schnelle, verlässliche und vor allem kindgerechte Hilfe. Mit dem Childhood-Haus schaffen wir nun auch in Nordhessen Strukturen, die genau das ermöglichen: kurze Wege, abgestimmtes Handeln und ein Umfeld, das die Bedürfnisse der betroffenen Kinder in den Mittelpunkt stellt", betonte Familien- und Gesundheitsministerin Diana Stolz bei der Unterzeichnung. „Dass alle relevanten Partner hier gemeinsam vorangehen, ist ein starkes Signal für den Kinderschutz in Hessen."

Weitere Schutzangebote in Planung

Das Childhood-Haus folgt dem Ansatz, den das erste hessische Haus in Frankfurt bereits erfolgreich lebt: Belastende Doppeluntersuchungen entfallen, die Erörterung des Erlebten wird auf das notwendige Minimum reduziert – und das Kind steht von Anfang bis Ende im Mittelpunkt.

Ergänzt wird das Vorhaben durch ein weiteres Schutzangebot: Parallel entsteht in Nordhessen ein regionales Safe-Sport-Zentrum, das Kinder und Jugendliche vor Gewalt im organisierten Sport schützen soll. Beide Initiativen verfolgen dasselbe Ziel: Betroffene frühzeitig erreichen, professionelle Hilfe bündeln und Schutzlücken schließen.

Die World Childhood Foundation wurde 1999 von Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden gegründet und setzt sich weltweit für das Wohl von Kindern und Jugendlichen ein. In Deutschland begleitet die Stiftung u.a. die Umsetzung des Childhood-Haus Konzepts nach dem Barnahus-Modell. 

Kontakt

Pressesprecherin Esther Walter

Esther Walter

Pressesprecherin

Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege

Sonnenberger Straße 2/2a
65193 Wiesbaden